Intensivtransport (ITH)
Ein ITH — Intensivtransporthubschrauber — fliegt keine Notfallorte an, sondern Kliniken. Er verlegt Patienten, die bereits versorgt sind, aber woanders weiterbehandelt werden müssen.
Für den Piloten ist das ein anderer Einsatz, für die Leitstelle ein anderer Vorgang, und für die Crew eine andere Arbeit.
Primär und Sekundär
| Primäreinsatz (RTH) | Sekundäreinsatz (ITH) | |
|---|---|---|
| Ziel des Anflugs | Notfallort | Klinik |
| Zeitdruck | hoch, Minuten | planbar, meist Stunden |
| Landestelle | unbekannt, oft Außenlandung | bekannt, meist Landeplatz |
| Patient | unversorgt | versorgt, oft beatmet |
| Strecke | kurz, im Umkreis der Station | oft weit, auch über Landesgrenzen |
| Betriebszeit | häufig tagsüber | häufig rund um die Uhr |
Warum überhaupt geflogen wird
Ein Intensivpatient über 200 Kilometer im Rettungswagen ist mehrere Stunden unterwegs — mit jeder Stunde steigt das Risiko. Der Hubschrauber verkürzt die Zeit, in der der Patient auf einer Trage statt in einem Bett liegt.
Typische Gründe:
- Die aufnehmende Klinik hat eine Abteilung, die die abgebende nicht hat (Neurochirurgie, Herzchirurgie, Brandverletztenzentrum, Replantation)
- Rückverlegung in ein heimatnahes Haus, wenn die akute Phase vorbei ist
- Verlegung von Frühgeborenen im Inkubator
- Organisation von Transplantationen
Was daran anspruchsvoll ist
Die Vorbereitung dauert länger als der Flug. Bevor der Hubschrauber startet, steht fest: Wer ist der Patient, welches Gerät braucht er, wer begleitet, wo wird gelandet, wer nimmt ihn auf.
Der Patient hängt an Geräten. Beatmung, Perfusoren, Monitoring — alles muss mitfliegen, mit eigener Stromversorgung, sicher befestigt. → Masse und Schwerpunkt
Die Übergabe passiert zweimal — beim Abholen und beim Abliefern, jeweils zwischen Intensivstationen. Das dauert und ist mehr als ein Zuruf. → Übergabe: ABCDE und ISBAR
Die Strecke will geplant sein. Kraftstoff, Wetter über die gesamte Strecke, Ausweichmöglichkeiten, gegebenenfalls eine Zwischenbetankung. → Reichweite
Die Besatzung
Ein Intensivtransport wird nicht von der Primärcrew nebenbei gemacht. Üblich ist eine zusätzliche oder ausgetauschte medizinische Besatzung mit intensivmedizinischer Ausbildung; die Zusammensetzung hängt vom Patienten ab.
Der Notarzt der abgebenden Klinik begleitet in manchen Fällen mit.
Für die Leitstelle
Ein ITH-Auftrag entsteht nicht über einen Notruf, sondern über eine Anfrage aus einer Klinik. Er wird geplant, nicht alarmiert.
Status im Sekundäreinsatz
Die Statusfolge ist dieselbe, die Bedeutung verschiebt sich:
- Status 3 — Auftrag übernommen, Anflug auf die abgebende Klinik
- Status 4 — dort eingetroffen, Übernahme läuft (das kann lange dauern)
- Status 7 — Patient an Bord, Flug zur aufnehmenden Klinik
- Status 8 — bedingt verfügbar, etwa während der Betankung
- Status 1 — nach der Übergabe wieder frei
Siehe Status.
Was die VAR festlegen sollte
- Ob Sekundäreinsätze in der Webleitstelle als eigene Einsatzart angelegt werden können — sie haben keinen Notfallort und kein Stichwort aus dem Katalog.
- Welche Stationen im VAR-Betrieb ITH-fähig sind. Die Website nennt „ITH“ als Stationsmerkmal; in der Doku steht dazu bisher nichts.
Weiter
- Zielklinik wählen
- Luftrettungszentren
- MANV und Großschadenslage — dort beginnt nach der ersten Welle die Umverteilung