Masse und Schwerpunkt
Zwei Grenzen, die nichts miteinander zu tun haben und beide eingehalten werden müssen: wie schwer der Hubschrauber sein darf, und wo die Masse sitzt.
Beide stehen im Flughandbuch des Musters. Es gibt keine allgemeingültigen Zahlen, und wer sie sich aus einem anderen Muster ausleiht, rechnet falsch.
Warum das in der Luftrettung besonders ist
In der Allgemeinen Luftfahrt lädt man einmal, rechnet einmal, fliegt. In der Luftrettung ändert sich die Beladung während des Einsatzes:
| Abschnitt | Was sich ändert |
|---|---|
| Start Station | Crew, Gerät, voller Tank |
| Anflug Einsatzort | Kraftstoff verbrannt — leichter |
| Am Einsatzort | Patient kommt an Bord, gegebenenfalls eine Begleitperson |
| Flug zur Klinik | schwerer als beim Anflug, Schwerpunkt verschoben |
Der Moment, in dem der Hubschrauber am schwersten ist und die Landestelle am engsten, ist nicht der Start an der Station. Es ist der Abflug vom Einsatzort — mit Patient, oft aus einem Loch heraus, oft bei der Temperatur des Nachmittags.
Der Denkfehler, der zählt
„Ich bin hier reingekommen, also komme ich auch wieder raus.“ Stimmt nicht: beim Anflug warst du leichter, und der Bodeneffekt hat geholfen. Siehe Leistung und Schwebeflug.
Was in die Rechnung gehört
- Leermasse des Musters, in der Fassung, in der es betrieben wird — die medizinische Ausrüstung ist Teil davon.
- Besatzung: Pilot, HEMS-TC, Notarzt.
- Kraftstoff für Anflug, Aufenthalt, Transport und Reserve. → Reichweite
- Patient, dazu Trage und mitgeführtes Gerät.
- Bei Bedarf Begleitperson — bei Kindern der Regelfall.
- Winde und Rettungsmittel, falls angebaut. → Windenbetrieb
Der Schwerpunkt
Die Masse allein reicht nicht. Sie muss innerhalb der zulässigen Grenzen liegen — längs und, bei manchen Mustern, auch quer.
Ein Patient auf der Trage liegt nicht in der Mitte, sondern dort, wo die Trage sitzt. Zusätzliches Gerät im Heck verschiebt weiter nach hinten. Ein zu weit hinten liegender Schwerpunkt frisst Steuerweg an der Zyklik — im ungünstigsten Fall reicht der Steuerweg im Schwebeflug nicht mehr aus, und das merkt man erst, wenn man ihn braucht.
Bei Windenbetrieb kommt eine seitliche Verschiebung dazu: Winde, Operator und die Last hängen auf einer Seite.
Kraftstoff ist die Stellschraube
Alles andere liegt fest: Die Crew wiegt, was sie wiegt, und der Patient auch. Verstellbar ist praktisch nur die Tankmenge.
Deshalb ist die Frage vor einem Einsatz in enges Gelände nicht „reicht der Sprit?“, sondern „wie wenig Sprit reicht?“ — genug für Anflug, Aufenthalt, Transport zur Klinik und Reserve, und keinen Liter darüber hinaus, wenn die Masse knapp wird.
Was die VAR festlegen sollte
Ob eine Mindestreserve vorgegeben wird und wie hoch. Heute steht dazu weder in den SOPs noch unter Reichweite eine Zahl.
Im Simulator
Die guten Hubschrauber-Addons haben eine Beladungsseite, auf der sich Crew, Patient und Kraftstoff einzeln setzen lassen, und bilden die Auswirkung auf Leistung und Steuerbarkeit ab. Wer den Unterschied einmal spüren will: dieselbe enge Landestelle zweimal anfliegen, einmal mit halbem und einmal mit vollem Tank.