Leistung und Schwebeflug
Die häufigste böse Überraschung in der Luftrettung ist nicht das Wetter und nicht das Hindernis. Es ist der Moment, in dem der Hubschrauber an der Einsatzstelle nicht mehr schwebt, obwohl er es zehn Minuten vorher noch konnte.
Bodeneffekt: IGE und OGE
Nahe am Boden staut sich der Abwind des Rotors und stützt den Hubschrauber. Das ist der Bodeneffekt. Er wirkt grob bis zu einer Höhe von etwa einem Rotordurchmesser über Grund und wird nach unten hin immer stärker.
- HIGE — Hover In Ground Effect: Schweben im Bodeneffekt. Braucht deutlich weniger Leistung.
- HOGE — Hover Out of Ground Effect: Schweben ohne ihn. Braucht mehr.
Für die Praxis heißt das: Ein Hubschrauber, der auf der Wiese im Bodeneffekt bequem schwebt, kann über derselben Wiese in 30 Metern Höhe schon am Limit sein. Genau das passiert beim Anflug auf eine Lichtung mit hohen Bäumen — du musst über die Baumwipfel absteigen, also außerhalb des Bodeneffekts schweben, obwohl der Boden nur wenige Meter tiefer liegt.
Der Bodeneffekt ist außerdem abhängig vom Untergrund. Über hohem Gras, Schnee, Wasser oder unebenem Gelände fällt er schwächer aus als über einer befestigten Fläche.
Die Faustregel, die zählt
Plane eine Außenlandung immer mit HOGE-Leistung. Wer mit HIGE rechnet und dann doch über einem Hindernis stehen muss, hat keine Reserve mehr.
Dichtehöhe
Ein Rotor greift Luftmasse ab. Je dünner die Luft, desto weniger Masse pro Umdrehung, desto weniger Auftrieb — und gleichzeitig gibt das Triebwerk weniger her.
Die Dichtehöhe fasst das zusammen: Sie ist die Höhe in der Standardatmosphäre, in der die Luft dieselbe Dichte hätte wie hier und jetzt. Drei Dinge treiben sie nach oben:
| Einfluss | Wirkung |
|---|---|
| Höhe über dem Meer | je höher, desto dünner |
| Temperatur | je wärmer, desto dünner |
| Luftfeuchte | feuchte Luft ist leichter als trockene |
Ein Landeplatz auf 1 200 m bei 30 °C verhält sich leistungsmäßig wie ein deutlich höher gelegener. Das ist der Grund, warum alpine Einsätze im Hochsommer am Nachmittag die anspruchsvollsten sind — und warum dieselbe Landestelle morgens problemlos geht.
Im Simulator ist das kein Rechenspiel: Wetter und Temperatur sind einstellbar, und die guten Hubschrauber-Addons bilden den Zusammenhang ab. Wer üben will, setzt die Temperatur hoch und fliegt dieselbe Bergstation noch einmal.
Leistungsklassen und CAT A / CAT B
Hubschrauber mit zwei Triebwerken werden danach eingeteilt, was beim Ausfall eines Triebwerks noch geht.
- CAT A — Start- und Landeverfahren sind so ausgelegt, dass bei einem Triebwerksausfall entweder sicher abgebrochen (zurück auf die Fläche) oder sicher weitergeflogen werden kann. Dafür braucht es Fläche und Leistung.
- CAT B — es gibt einen Bereich, in dem der Ausfall zwangsläufig zu einer Landung führt.
Für den Landeplatz heißt das: Die Fläche entscheidet mit, welches Verfahren möglich ist. Auf Außenlandungen steht die Größe, die dafür etwa nötig ist.
Was die VAR festlegen sollte
Ob und wie streng CAT-A-Verfahren im VAR-Betrieb erwartet werden — insbesondere an Klinikdachlandeplätzen. Heute steht dazu nichts in den SOPs.
Was du vor dem Anflug wissen willst
- Wie hoch liegt die Landestelle, und wie warm ist es?
- Reicht die Leistung für HOGE bei der aktuellen Masse? → Masse und Schwerpunkt
- Woher kommt der Wind? Anflug gegen den Wind spart Leistung.
- Gibt es einen Abflugweg, der ohne Steigen über Hindernisse auskommt?
Wenn eine dieser Fragen unbeantwortet bleibt, ist der zweite Erkundungsanflug billiger als die Rückholung.
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- Wirbelringstadium — was passiert, wenn du zu langsam zu steil absinkst
- Reichweite — wie lange du überhaupt oben bleibst
- Meteorologie — woher du Temperatur und Wind bekommst