Autorotation und H-V-Diagramm
Ein Hubschrauber ohne Triebwerksleistung fällt nicht. Er sinkt — und zwar gesteuert, solange der Rotor dreht. Den Antrieb übernimmt dabei die von unten anströmende Luft.
Was in der Autorotation passiert
Fällt die Leistung aus, muss der Pilot als Erstes das Kollektiv senken. Damit wird der Anstellwinkel der Blätter so klein, dass der durchströmende Luftstrom den Rotor weiter antreibt, statt ihn abzubremsen. Die Rotordrehzahl bleibt im Bereich — und die Drehzahl ist die gespeicherte Energie, mit der am Ende abgefangen wird.
Der Ablauf in drei Schritten:
Grundablauf
- Kollektiv senken — sofort, ohne Nachdenken. Die Rotordrehzahl ist das Einzige, was sich nicht zurückholen lässt.
- Fahrt auf den günstigsten Gleitwert bringen und den Landeplatz ansteuern. Der Heckrotor braucht weiter Ausgleich, das Pedalgefühl ändert sich.
- Abfangen (Flare) kurz über Grund: Fahrt in Auftrieb umsetzen, dann Kollektiv ziehen und die gespeicherte Rotorenergie für das Aufsetzen nutzen.
Der dritte Schritt ist einmalig. Ist die Drehzahl aufgebraucht, gibt es keinen zweiten Versuch.
Das H-V-Diagramm
Das Höhen-Geschwindigkeits-Diagramm — im Englischen height-velocity diagram, umgangssprachlich auch dead man's curve — zeigt, aus welchen Kombinationen von Höhe über Grund und Fahrt eine Autorotation nicht mehr sauber zu Ende zu fliegen ist. Jedes Muster hat sein eigenes; es steht im Flughandbuch.
Es gibt zwei kritische Bereiche:
Oben links — hoch und langsam. Zu wenig Fahrt, um den Rotor schnell wieder anzutreiben, und zu wenig Höhe, um Fahrt aufzubauen, bevor der Boden kommt. Das ist der klassische Steigflug direkt nach dem Abheben.
Unten rechts — tief und schnell. Genug Fahrt, aber zu wenig Höhe, um noch abzufangen, ohne mit hoher Geschwindigkeit aufzusetzen.
Dazwischen liegt der sichere Korridor: erst Fahrt, dann Höhe.
Warum das für die Luftrettung besonders zählt
Die Luftrettung arbeitet dauernd genau dort, wo das Diagramm unangenehm wird: enge Landestellen, senkrechte Starts über Hindernisse, Schwebeflug über einer Unfallstelle, Windenbetrieb.
Das ist kein Fehler, sondern der Auftrag — aber es ist der Grund, warum zweimotorige Muster in der Luftrettung Standard sind und warum CAT-A-Verfahren existieren: Sie sind der Ersatz für einen sicheren Autorotationsbereich, den es an einem Klinikdachlandeplatz schlicht nicht gibt.
Für den Abflug heißt das
Wenn die Landestelle es hergibt: flach beschleunigen, dann steigen. Der senkrechte Steigflug aus dem Schwebeflug ist die Ausnahme für den Fall, dass Hindernisse keine Wahl lassen — nicht die bequeme Gewohnheit.
Im Simulator üben
Autorotation ist eine der wenigen Übungen, die im Simulator wirklich etwas bringt, weil sie fast ausschließlich aus Timing besteht.
- Genügend Höhe, ruhige Luft, freies Gelände.
- Triebwerk(e) in Leerlauf oder Ausfall setzen.
- Kollektiv sofort senken, Drehzahl im Auge behalten.
- Aufsetzpunkt festlegen und die Fahrt darauf einstellen.
- Abfangen üben, bis die Aufsetzgeschwindigkeit stimmt.
Wie gut das Verhalten nachgebildet ist, hängt stark vom Addon ab. Die Rotordrehzahl-Anzeige ist dabei der ehrlichste Prüfstein: Wenn sie sich bei gesenktem Kollektiv nicht hält, bildet das Muster die Autorotation nicht sauber ab.
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- Leistung und Schwebeflug
- Steuerorgane — was Kollektiv, Zyklik und Pedale eigentlich tun
- Wirbelringstadium