Windenbetrieb
Wenn keine Landestelle in erreichbarer Nähe liegt — Steilhang, Schlucht, Waldstück, Wasser, Dach — bleibt die Rettung aus dem Schwebeflug. Entweder mit der Rettungswinde oder am festen Tau.
Beides zählt als Human External Cargo (HEC): Personen hängen außen am Hubschrauber. Das ist die anspruchsvollste Betriebsart der Luftrettung, und sie setzt Ausbildung, Gerät und eine eingespielte Besatzung voraus.
Winde oder Tau
| Rettungswinde | Festtau (Fixtau) | |
|---|---|---|
| Länge veränderbar | ja, während des Vorgangs | nein, feste Länge |
| Hubschrauber kann | über der Stelle stehen bleiben | muss anfliegen und wieder wegfliegen |
| Geeignet für | Aufnahme aus jeder Lage, auch Dach und Wasser | schnelles Ein- und Ausbringen im Gebirge |
| Aufwand | höher, Bedienung während des Schwebens | geringer, aber unflexibel |
Wer was macht
Aufgabenteilung
Pilot — hält die Position. Er sieht die Last in der Regel nicht und fliegt nach den Kommandos des Operators. Seine Aufgabe ist ausschließlich, den Hubschrauber ruhig zu halten.
Windenoperator (meist der HEMS-TC) — bedient die Winde, beobachtet die Last, gibt dem Piloten die Korrekturen und hat als Einziger den Überblick über den Raum unter dem Hubschrauber.
Retter am Seil — arbeitet am Patienten und meldet nach oben.
Diese Aufteilung ist der Kern: Der Pilot fliegt, was ihm gesagt wird. Wer selbst nachsehen will, was unten passiert, bewegt den Hubschrauber.
Kommandos
Die Korrekturen werden fortlaufend und in einer festen Form gegeben. Der Operator spricht durchgehend — Schweigen bedeutet für den Piloten, dass die Verbindung abgerissen ist.
Üblich sind Richtungsangaben aus Sicht des Hubschraubers (vor, zurück, links, rechts) mit Entfernungsangabe, dazu Höhenkommandos und der Zustand der Last.
Was die VAR festlegen sollte
Eine verbindliche Kommandoliste für den Windenbetrieb. Die realen Betreiber verwenden jeweils eigene, eng abgestimmte Phraseologien — ohne eine Festlegung reden im VAR-Betrieb zwei Leute aneinander vorbei, und genau hier ist das gefährlich.
Abbruchkriterien
Der Windenvorgang wird abgebrochen, wenn eine dieser Bedingungen eintritt:
- Der Pilot kann die Position nicht mehr sicher halten
- Die Sprechverbindung zum Operator fällt aus
- Die Last beginnt zu pendeln oder zu drehen und beruhigt sich nicht
- Ein Hindernis kommt in den Bereich der Rotorkreise
- Leistungsreserve reicht nicht mehr — siehe unten
- Ein Besatzungsmitglied ruft ab. Jedes Besatzungsmitglied darf abbrechen.
Leistung ist die Grenze
Windenbetrieb ist Schweben ohne Bodeneffekt, oft über Hindernissen, oft im Gebirge, oft im Sommer. Das ist genau die Ecke, in der die Leistung knapp wird:
Der Hubschrauber muss die gesamte Zeit HOGE halten können — mit der Masse, die er am Ende hat, inklusive Patient. → Leistung und Schwebeflug
Dazu kommt die seitliche Verschiebung des Schwerpunkts: Winde, Operator und Last hängen auf einer Seite. → Masse und Schwerpunkt
Statische Aufladung
Der Hubschrauber lädt sich im Flug elektrostatisch auf. Das Seil wird deshalb vor dem Kontakt mit Personen am Boden geerdet — sonst bekommt der Erste, der es anfasst, einen Schlag.
Am Boden
Für die Helfer unten gilt: Sich dem Bereich unter dem Hubschrauber nur auf Anweisung nähern, nichts Loses liegen lassen (der Downwash trägt weit), und Patienten und Gerät sichern, bevor der Hubschrauber überhaupt in Position geht.
Im VAR-Betrieb
Nicht jedes Muster und nicht jede Station hat eine Winde. Welche Stationen Windenbetrieb durchführen, gehört in die Luftrettungszentren.
Offen
Ob und wie der Windenbetrieb in der Webleitstelle als Fähigkeit hinterlegt ist — die Disposition muss wissen, wen sie zu einer Windenlage schicken kann.